trio albtrieb trio
pünklichkeit & anarchie
w.v.wizlsperger


wien liegt am meer

texte & musiken

 

01 im zug

Theodor Kramer / Hannes Löschel

reich den rucksack mir herüber, daß ich ihn ins tragnetz tu
merklich ist's im zug schon trüber und man spürt nun auch den schuh
lehn an mich für eine kleine stunde ruhig dein gesicht
besser ruhen so die beine und die leute stört es nicht

in den kleinen haltestellen steigen lauter leute ein
die wie wir den tag im hellen gut verbrachten
sieh den schein aus den schwarzen wiesen schwinden
morgen dröhnt das kesselhaus
deine finger die mich finden nähen wieder litzen aus

eine lange woche ist es die uns dumpf entgegen starrt
sei mein mädel, ja du bist es, in der werk tatt wieder hart
dunkel weht aus deinen haaren noch das gras das wuchs am rhein
sonntag kind wird fortgefahren und es kann auch samstag sein

02 wien liegt am meer

Peter Ahorner / Hannes Löschel

fun da r donau boid gnua howe ghobt scho ois bua
de eakenntnis bei an krachal: de donau? is a bachal!
oisa woizza is scho bessa oba ned ois gewessa
do tuats eh nua owezahn: de donau is ma z klaan

da hod mia a fawaundta gsogt: geh, buali, sei entspannta
huach auf meine rezeptua, daun kummt da ois fü greßa fua
heasd huach auf meine rezeptua, daun kummt da ois fü greßa fua:

waunst in da r wöhn bist liegt wien am meer
und host gnua eineglaht bist du auf deine art ein wiena hanseat
und ohne zweife aum genseheife wie ich ein admiral

ich bin kein leichtmatrose, e hob ka duaschtneirose
weu unta feichtnarkose fasteh ich gaunz spontan
aus lauta r wein an ozean – den tua i brauchn
beim untatauchn, waun ich am land bin, in da r stodt
und des hamweh schmeiß i glott iba boad
weu am woat is die liebe

und olle, olle madln mochn kane spompanadln
leichte fussaln, leichte heazzaln, zoate bussaln und wia keazzaln
glitzaeigaln ned nua en da r nocht

waunst in da r wöhn bist liegt wien am meer
und host gnua eineglaht bist du auf deine art ein wiena hanseat
und ohne zweife aum genseheife wie ich ein admiral

owa kane hot des zaumbrocht, wos du austöhst med mia
auf mein gschbia spühst du klawia

waunst in da r wöhn bist liegt wien am meer
oft hods mi owezaht, du hosd mi aussezaht, heazz an di hosennaht
gaunz ohne zweife aum genseheife bisd du mei admiralin

03 stiller marsch

W.V.Wizlsperger

04 die probleme

W.V.Wizlsperger / Hannes Löschel

an der donau, an der seine und an der elbe
s ist seit jeher immer überall das selbe
sorgen, nöte, krisen, pleiten, hindernisse, widrigkeiten!

in der frühe wenn die sonne mich blamiert
mir der tag mit hohlem blick entgegenstiert
die probleme pubertieren i glaub ned das dsmiddog bessa wird

früh schon übt ich doch kein meister wurd aus mir
später traf ich dich und übt mich an an dir
die probleme pubertieren nur die hörner hob ich von an stier

doch ich glaube, liebe, hoffe und mein herz ist groß und offen
andre toben, rasen, heulen, hadern, zürnen, klagen an
und verwünschen ihres schicksals krausen plan

ein beruf ist etwas schönes in der tat
schöner ists wenn mit berufung er sich paart
die probleme pubertieren ich leb neigungslos vom wohlfahrtsstaat

doch so finster auch der tunnel meines lebens ist
um so heller wird am ende strahlen dann das licht
auch ein albtraum hat am schluß zuletzt ein ende
denn dunkelheit für immer gibt es nicht
jede straße, jeder bach, und jeder flusslauf
alle münden immer irgendwo hinein
auch mein lebensweg ist endlich eingemündet
in den christlichen glücksspielverein

wir schaun freudig in die zukunft, wir sind prima aufgestellt
wir sind die mit glück gesalbten, wir machen den taufschein zu geld
unser glaube versetzt berge, unser hirn ist ausgeruht
unsre hoffnung macht uns duldsam, verlust stärkt uns neu nur den mut

ich spiel lotto, toto, bingo und roulette
automaten, brieflos, poker und black jack
die probleme pubertieren a jeds pferd lahmt kaum das ich drauf wett

ich bin arbeits- ehe- mittel- wohnungslos
fois wer spendet daun im besten foi nur trost
die probleme pubertieren ich zieh immer nur das hoffnungslos

ja ich glaubte, liebte, hoffte und mein herz war groß und offen
doch jetzt tob ich, ras ich, heule, hadre, zürne, klage an
und verfluche meines schicksals krausen plan

ich wüsst ganz genau was ich am liebsten tät
wenn mir wer an dachbodn und an strick jezz gäb
die probleme pubertieren i bleib weiter so parterre und leb

05 oaschloch to go

Peter Ahorner / Hannes Löschel

dauand zwieda, imma wieda aunzipft ollaweu
beim wiatn, im tschechal, en an jedn café
wos du sogst, wos du frogst, wea di siacht
wea di riacht is schwea gschdroft

di drukt kana duach, auf dein heazz bikt da luach
jeda schmäh rennt bei dia auf und davo
huach hea, moch uns a freid, oba bitte no heid
daun san zfriedn de leit: kum schleich di, reiß o, faschwind
vazupf di, oba gschwind, putz di, biag o, fakum
auße, frog ned warum
weu fia di gibts nua a anzige pflicht: geh beule, ziag o, du xicht
moch do ka tamtam, nimm di söba mit ham
weu an aundan wiasd ned findn, schau ned a so
moch do ka tamtam, nimm di söba mit ham
iba de gossn, bist eh soweso
a oaschloch to go

06 vermächtnis

Antonio Fian / Hannes Löschel

schdö da vua, es bassiad wos, wem soins wos sogn
schdö da vua, i foi um, lieg do und bin hi
a unfoi is schnö bassiad, wen soins vaschdändign?
sog warads da recht, sie vaschdändign di?

meine oidn san laung scho gschduabm, mei frau hod an aundan,
die kinda san auszogn, freind hob i kaum.
owa von de boa freind bisd du mia da liabste,
drum waun du des dadsd fia mi, des warad a traum.

weu du, i bin sicha, wirsd daun net hamlich lochn.
was haum mia ned duachg’mocht! so schee woa die zeit!
und daun (loß da zeit dabei) sog’s oin aundan.
es is grauslich, owa es muaß sei. iagandwaun is’ so weit.

und sie trogn mi weg und finden mein führerschein
und wissen, wie oid i woa, schdeanzeichn schdia.
mia is wuascht, wea mei hornhaut kriagt, owa ans muasst no wissn:
ois wos sunst in mia drin is, des ghead gaunz ala dia.

07 inventio IV

Johann Sebastian Bach

08 take this waltz

Leonhard Cohen

nachdichtung: w.v.wizlsperger
schau di heisa dsön mid wau ma lochn
wau ma grantln daun schauns gschamig weg
a boa bam schdön si vua si vabeign si
und a blosmusik schdoipat ums ekk
maunche glaubm des is ois wia im theata
waunsd mea segn wüsd daun brauchsd nua mea dsoin
owa schau, so schauts aus, es is ois, es is ois
es is ois grod so vü wia ma woin

wos du wüsd des hosd iagandwo aufgschriebm
ois wos i wü des schded in di schdean
vielleicht winschd da a uah mid dswöf dsaga
vielleichd hesd gean an noblichn hean
wos ma ghobt haum des haum ma vagessn
und di nochschbeis de haum ma vabaßd
schau, so schauts aus des ged ois, des ged ois
des ged ois nua solaungsd as dadsahsd

fia ois, fia ois, fia ois, fia ois haums a numma vagebm
und des schenare lebm
kaunsd da nua mea mid dsoin buchschdabian

wauns a gschnas gab daun dad i ois fluß geh
iagandwo dswischn meidling und brünn
und i biggad an hecht und an karpfn
auf mei flekkades donaukostüm
in schönbrunn drausd do schneibds göwe rosn
und da tau legt si koid in dein schriad
drei kapön woatn drauf das ma daunzn
nua i fiacht, das des heit niggs mea wiad
weu wos sche woa des gibts nua mea in dosn
und mei heaz hod si söwa daschlogn
schau, so schauts aus, des is ois, des is ois
nau und mea gibts dazua ned dsum sogn

09 a whiter shade of pale

Keith Reid / Gary Brooker, Matthew Fisher

nachdichtung: w.v.wizlsperger
mia nippn seichd am tango, dan den deppich darokkian
i wia eh sea oft leichd schwindlich, und des gros foad ei ins hian
ausn dischduach schiassn d' schwammaln, ausn eisde rend da schmäh
da köna frißd die dritte gnaggwuaschd, i dua dsfleiß ois dad i geh
sog iagandwos, nua leida, wea i kaum mea wos vaschde
gauns alah, a bissal woglad, daunsd daun weida … wundasche

jo, gestan woa no d' wiesn a gmahds bett fia di und mi
heit is olas dsiemlich gnaggwuaschd, a gschöde batie
vielleichd woa im gros da hund drin, das di kozzn so laut schrein
und a waunsd jezz glei wieda audaundsd, i wea drodsdem nimma bleibm
sog iagandwos, nua leida, i wü goa niggs mea vaschde
gauns alah, a bissal woglad, daunsd daun weida … wundasche

jo fia di is ois wia ualaub, halligalli jedn dog
i sizz do und friß mei gnaggwuaschd, obwoi i gnaggwiaschd goa ned mog
i hob liawa koibsbarisa, oda iagandwos mid schbegg
du sogsd wiaschdln deprimian di, drodsdem frißd ma ole weg
sog iagandwos, nua leida, i wü goa niggs mea vaschde
gauns alah, a bissal woglad, daunsd daun weida … wundasche

10 drinkin song

William Butler Yeats / Hannes Löschel

Wine comes in at the mouth
And love comes in at the eye;
That’s all we shall know for truth
Before we grow old and die.

I lift the glass to my mouth
I look at you, and I sigh

11 hamburg

W.V.Wizlsperger / Hannes Löschel

das sind jetzt schwere zeiten für meinen kleinen knabenchor
ich sitz hier fest in hamburg, hab kein zurück kein vor
die elbe plätschert lieder von wind und wellen und meer
die straßen rufen: herbert! jedoch: mein beutel der ist leer!

am fischmarkt makeln fischer den dorsch, den aal, den stind
die lotte von stand 17 verdrischt ihr viertes kind
der hans mit seinem holzbein albert wieder mal nur rum:
mensch, jungchen, nicht so stolz sein! ich kümmer mich nicht drum ...

einer mageren makrele rinnt der angstschweiß vom gesicht
doch was fische fühlen und denken, nee, das kümmert hamburg nicht

denn hamburg will nur eines, stets das Eine tag und nacht
hamburg hat seit jeher nur an das Eine stets gedacht
matrosen, dirnen, schmuggler wollns immer wieder wissen
sie alle werden wie immer von hamburg nur beschissen

ihr götze heisst st. pauli den beten alle an
dann liegen sie da in der kotze, mitten auf der reeperbahn
denn hamburg will nur eines, stets das Eine tag und nacht
hamburg hat seit jeher nur an das Eine stets gedacht

12 landeler

Hannes Löschel

13 um vier uhr früh

Theodor Kramer / Hannes Löschel

Um vier Uhr früh, herzlieber Schatz, weht sacht der Vorhang her;
es dünkt mich neben dir der Platz, so still du atmest leer.
es gibt ins Herz mir einen Stich, so sehr hab ich dich gern;
verström verstohlen mich in dich und bin dir aber fern.

Um vier Uhr früh, herzlieber Schatz, wenn´s hallend schlägt die Stund
und es mich brennt, daß ich mich kratz, verdorrt mir schier der Mund.
Ich höre im Kanal den Kahn an seiner Kette zerrn;
Ich macht gern manches ungetan und ständ gern manchem fern.

Um vier Uhr früh, herzlieber Schatz, wenn es im Fenster tagt,
geht durch den Sinn mir mancher Satz, den gestern ich gesagt.
Die Lichter surrn, am Himmel stehn die letzten blassen Stern;
Muß ich um vier Uhr früh einst geh´n war ich dir lang schon fern.

14 mariella

W.V.Wizlsperger / Hannes Löschel

vor zehn jahren im märzen hab ich die rösslein angespannt, wollte pflügen und eggen mein lieb heimatland. doch dann hab ich plötzlich mich anders bedacht, ging zurück in den stall, hab mir frühstück gemacht. speck mit ei dazu brot, das vergönnte ich mir. ein mann, eine mahlzeit und ein humpen frisches bier! bald schon sandte der frühling die ersten sonnenstrahlen aus, ich saß rasiert und gekämmt auf der bank vor dem haus. du wunkst mir und wuscht deine puppe im bach, und dein blondhaar tat alles was der wind ihm versprach. du wunkst mir und lachtest, so jung und verspielt, und der westwind versprach was der tag dann auch hielt! du trugst im haar eine krokus, die war vom tau noch benetzt, ja und dann, hokus pokus, hast dich zu mir gesetzt. ich sprach dir von liebe, du tatst ahnungslos, doch im glanz deiner augen da war die sehnsucht so groß: mariella, mariella du süße, du warme, mariella, mariella komm leg deine arme, mariella, mariella ganz fest um mich rum, mariella, mariella frag nicht lange warum! ach küss und erbarme dich meiner mein kind, dein lachen, dein weinen, hörn nur ich und der wind! ich goss mir noch bier nach, du verlangtest nach sekt, da hab ich erstmals an dir, ach, mondäne züge entdeckt! gut, ich brachte dir sekt, gab den rössern noch heu, ließ den korkknall verhallen, bald drauf bat ich aufs neu: mariella, mariella … ach küss und erbarme dich meiner mein kind, dein lachen, dein weinen hörn nur ich und der wind! ich sprach dir von liebe, du tatst ahnungslos, doch im glanz deiner augen da war die sehnsucht so groß: mariella, mariella … ach küss und erbarme dich meiner mein kind, dein lachen, dein weinen, hörn nur ich und der wind.

15 erzherzogstrauer

Hannes Löschel